Pressemitteilung der AfD/ Starke Heimat Kreistagsfraktion; Stand 02. Juni 2020

Es ist höchste Zeit den Alltag vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen. Eine mehr ausgewogene Wahrnehmung unterstützt auch das Treffen mehr ausgewogener Entscheidungen. In unseren Kindergärten und Schulen herrscht kein heilloses Chaos – das lassen die Verantwortlichen in den Einrichtungen nicht zu. Dennoch ist es aktuell eine anhaltende Stresssituation, zuerst für die betroffenen Kinder, aber in erheblichem Umfang auch für Schulpädagogen/innen und Erzieher/innen. Schichtbetrieb mit unregelmäßigen Kita- und Schulpräsenzzeiten machen geordnetes Familienmanagement für betroffene Eltern zur Herausforderung. Ein gesunder Lernrhythmus betroffener Schulkinder ist ebenso unmöglich. Und wer legt anhand welcher Kriterien eigentlich fest, wann ein Beruf systemrelevant ist? Viele Eltern arbeiten in Berufen, welche nicht den Vorzugsstempel „Systemrelevant“ erhalten haben. Aber auch deren Kinder müssen tagsüber gut versorgt sein, in Kita oder Schule gleichermaßen. Hier sollte die Landkreiskommune im Rahmen ihrer Verantwortlichkeiten unbedingt bestrebt sein, schnellstmöglich die gewohnten inneren Tagesabläufe der Einrichtungen wiederherzustellen. Die Vorleistung dafür wurde erbracht – Gesundheitscheck, Fiebermessen, höhere Hygienestandards, intensivere Reinigungszyklen, Selbstkontrolle etc. sorgen dafür, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit nur gesunde Kinder ohne vorherigen Kontakt zu Corona-Infizierten in die Schul- und Kindergarteneinrichtungen gelangen. Mit der für den 05. Juni 2020 erwarteten, angepassten Corona-Verordnung der Thüringer Landesregierung sollten hoffentlich umfassende Lockerungen zum Mindestabstand etc. einhergehen, welche unseren Kindern die Rückkehr zum zweckmäßigen „Normalbetrieb“ (unter Einhaltung bestmöglicher Schutzvorkehrungen) ermöglicht.

Um die herausragende Systemrelevanz unserer Gesundheits- und Pflegeberufe wussten wir alle schon immer. Doch wurde es vielen von uns durch die Corona-Pandemie erst richtig bewusst. Pflege und Betreuung unserer lebensälteren Mitbürger/innen, welche in Heimen leben, stellt das dort beschäftigte Pflegepersonal vor enorme Herausforderungen; nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Familienkontakte. In den Gesundheitseinrichtungen kam es zu Verschiebungen und teilweise extremen Mehrbelastungen für Krankenschwestern/ Krankenpfleger. Die Arbeit im Gesundheitswesen, in der Pflege und in der Betreuung kann nicht nach Maßstäben von Produktivität und Umsatz berechnet werden. Doch bleibt festzustellen, dass neben der gesundheitlich-pflegerisch-fachlichen Versiertheit der Beschäftigten weitere interdisziplinäre Kompetenzen die Wichtigkeit dieser Berufsgruppen hervorheben. Es sind die benötigten sozialen Kompetenzen (Einfühlungsvermögen, Zeit und ein offenes Ohr haben …) sowie administrativ-organisatorische Fähigkeiten. Diese noch besser abzubilden und damit auch einen besseren beruflichen Anschlusspunkt zu Ärzten und sonstig studierten Therapeuten herzustellen, empfiehlt die EU bereits seit ca. 15 Jahren die Akademisierung der Gesundheits- und Pflegeberufe. Zielvorgabe ist das Erreichen von 20% Absolventen dieser Berufsgruppe, welche über duale Fachhochschulausbildung einen Bachelorabschluss erreichen. Etliche EU Mitgliedstaaten und einige Bundesländer haben diese Vorgaben bereits erfolgreich umgesetzt. Höchste Zeit für Thüringen diesen richtigen Entwicklungen zu folgen; für eine bessere Anerkenntnis und Entlohnung unserer Gesundheits- und Pflegeberufe, sowie für die dringend notwendige Höherqualifizierung und damit verbundenen beruflichen Karrierechancen unserer Menschen, welche sich täglich aufopferungsvoll für Patienten und zu Betreuende einsetzen. Und höchste Zeit für unseren zentral im Dreiländereck gelegenen Landkreis eine entsprechende Fachhochschule zu fordern, von welcher dem umfangreichen Bedarf Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts am besten entsprochen werden kann – dafür setzen wir uns ein.

Uwe Rückert, Fraktionsvorsitzender