Starke Heimat: blaue Vergesslichkeit, rote Mittelfingergestik und blau-roter Klassenkampf; 22 Juli 2020

Was für ein Spektakel erlebte die Kreisstadt Altenburg am 16. Juli 2020! Da waren Parteifunktionäre sowie ein Ex-Parteifunktionär der AfD vor Ort, flankiert von 400 treuen Fans. Gegenüber standen 1‘200 (?) Gegendemonstranten, von denen etliche mit skandalösen Parolen und rohen Eiern um sich warfen. Und diese illustre Marktszene soll nun ein
Spiegelbild der politisch engagierten Gesellschaft des Altenburger Landes gewesen sein???

Ebenso bezeichnend war, dass die AfD Fankurve sofort feststellte, dass ein erheblicher Teil der Gegendemonstranten von weit außerhalb mit Bus und Bahn angereist war. Wie viele Gegendemonstranten stammen also tatsächlich aus dem Altenburger Land und bildeten die „bunte Mehrheit“ unserer Anti-AfD geprägten Landkreisbevölkerung? Doch soll das nicht
hinwegtäuschen über das ganz gleichartige Schauspiel der AfD. Denn von deren 400 stramm angetretenen Zuhörern war ebenfalls eine beträchtliche Anzahl von außerhalb angereist, um die Reihen des Höcke-Fanclub aufzufüllen.

Augenscheinlich jedoch war den Spitzenfunktionären der AfD-Flügelbewegung das eigentliche Motto ihrer Veranstaltung „Einigkeit macht stark. – Schluss mit hausgemachten Krisen“ zu konfliktgeladen. Wusste man doch, dass man mit dem öffentlichen Hofieren des Politikers Kalbitz gegen Beschlüsse der eigenen Partei handelt und somit selbst aktiv die angeblich beschworene Einigkeit torpediert. So sind seitdem nicht nur die Demonstration bewerbenden „Einigkeit macht stark“ Propagandabildchen fleißig aus sozialen Netzwerken der AfD entfernt worden; sondern man schwenkte bei der Veranstaltung selbst kurzfristig auf das Thema „Corona“ um. Der Thüringer AfD Landeschef Höcke spulte dann auch fehlerfrei
seinen einstudierten Text über Regierungsversagen und fehllaufende Corona-Beschränkungen ab. Damit traf man anstrengungslos einen immer empfindlichen Nerv des eigenen Fanclubs sowie vieler weiterer Bürger/innen.

Betrachtet man aber den Umstand, dass bei gleicher Veranstaltung auch zwei AfD Parlamentarier anwesend waren, für welche das Altenburger Land Wahlkreis ist, dann wiederum war die Performance sehr dürftig. Die Chance wurde leider (wieder einmal!) vertan, um wichtige Themen des Landkreises zu adressieren. Nichts zu Mobilität, nichts zu Bildung, nichts zu Energie, nichts zur Digitalisierung, nichts zu Wirtschaftsförderung … und
wenn schon „Corona“ thematisiert wurde, so kam leider auch nichts zu den damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen im Altenburger Land. Es war somit auch ein getreues Abbild des AfD Kreisverbandes Altenburg-Greiz, welcher selbst bisher mit NULL regionalen Sachthemen „glänzt“, dafür aber massenhaft überregionale Revolverpresse auf die eigenen Facebook Seiten spiegelt. Die ausgeprägte Inkompetenz sowie das erkennbare Desinteresse des AfD Kreisverbandes an wichtiger Kommunalarbeit waren wieder überdeutlich – ein seit Jahren anhaltendes Trauerspiel.

Nun ist wohl bekannt, dass dem AfD Kreisverband mit den rot-blauen Genossen Staps und Braun auch zwei Vorstände mit politisch linkem Hintergrund angehören; beide dennoch im Team Möller/Höcke herzlichst willkommen. Das mag wohl auch der Grund sein, weshalb man im AfD Kreisverband die Einsichtnahme in die eigenen Stasi-Akten scheut wie die Katze das Wasser. Aber mehr noch hat sich die Möller/Höcke Flügel-AfD nun durch ihren Landtagsabgeordneten Laudenbach offenbart, welcher unter dem Decknamen „Klaus“ bei der Stasi als IM geführt wurde. Der AfD Abgeordnete, Genosse Laudenbach, kann sich freilich nicht mehr erinnern jemals bewusst für die Stasi gespitzelt zu haben. Insofern hat sich die Thüringer AfD mit diesen Herrschaften im Möller/Höcke Lager wohl doch schon parteilich abgespalten. Einerseits gibt es die Meuthen geführte „Alternative für Deutschland“. Und andererseits gibt es offenbar die Möller/Höcke geführte „Alzheimer für Deutschland“.

In der Möller/Höcke dressierten völkisch-patriotischen „Alzheimer für Deutschland“ Partei scheint ausgeprägte Vergesslichkeit ein Aufnahmekriterium zu sein. Herr Kalbitz erinnert sich nicht an seine Mitgliedschaft in der HDJ. Herr Höcke hat vergessen, ob er jemals unter
dem Pseudonym Landolf Ladig anti-demokratische, staatsablehnende Texte veröffentlichte. AfD Kreissprecher Genosse Staps hat jeden guten Anstand vergessen; wie gleichermaßen eine einigermaßen akzeptable Anwendung der deutschen Sprache in Wort und Schrift bei ihm vergessen scheint. Der AfD Kreis-Genosse Braun hatte, wohl am Kalbitz-Syndrom leidend, beim Erwerb seiner AfD Parteimitgliedschaft ebenfalls vergessen Angaben zu
seinem links-politischen Vorleben zu machen. Und nun wird AfD MdL Genosse Laudenbach mit seiner Stasi Vergangenheit konfrontiert und kann sich an keine bewusste Mitarbeit als IM erinnern. Sollte diese Art Vergesslichkeit eine Covid-19 Nebenwirkung sein, dann wäre es für die blauen „Alzheimer für Deutschland“ Genossen ggf. überlegenswert, ob sie nicht doch einen Mund-Nase-Schutz tragen und den empfohlenen Mindestabstand zueinander halten.

Und würde unser Freistaat Thüringen nicht derart unter rot-blauen Genossen in Regierung und Opposition leiden, es wäre fast schon lustig zuzusehen. So ist es jedoch höchstens eine tragische Komödie, bei welcher rot-blaue Genossen mit ihren polemischen Äußerungen und Mittelfinger Gesten fortgesetzt die Würde des Thüringer Landtags verletzen. Es ist durchweg ein nicht an wichtigen Sachthemen ausgerichteter sowie parlamentarisch instrumentalisierter Klassenkampf rot-internationaler Sozialisten gegen blau-nationale Sozialisten, welche sich trotz ihrer tatsächlich vielfältigen Gemeinsamkeiten in höchst destruktiver Weise zum
Schaden unseres Freistaates und unserer Bevölkerung bekämpfen. Thüringen hat Besseres verdient.

Uwe Rückert